Ein dumm-dämliches Geschwafel von Birte Müller über „Gebrauchskaninchen“

Hier auf dieser Webseite schrieb jene Dame folgendes:

Wenn es um das Wohl der eigenen Kinder geht, sind Eltern zu fast ALLEM bereit. Sogar dazu, sich einen Stall mit Kaninchen auf die Terrasse zu stellen. Auf jeden Fall haben wir das für Willi getan, obwohl alle Welt die Nase rümpfte und mich vorwurfsvoll mit dem Die-armen-Kaninchen-Blick anschaute. Die armen Kaninchen, was für ein Quatsch! Sie sind einfach Nutztiere, es sind «Gebrauchs­kaninchen». Wir sind doch überall umgeben von Produkten, die von Tieren stammen, die meisten Leute essen Tiere sogar auf – und dann soll es Tierquälerei sein, dass hier drei Kaninchen Blasmusik hören und ein behindertes Kind ab und zu gegen die Gitter haut? Nö, das sehe ich nicht ein.

Da wir fest entschlossen waren, die Kaninchen wieder zurückzubringen, falls sie uns keinen Nutzen bringen sollten (unsere Kaninchenspender sind jederzeit bereit, sie wieder in ihre Herde zu nehmen), versuchte ich, keine zu enge Bindung zu ihnen aufzubauen. Ich nannte die drei von Anfang an konsequent nur «Fellbeutel» und nicht bei ihren richtigen Namen: Alexandros, Bärbel und Hänsel & Gretel. Die Tiere sollten einzig dazu da sein, Willi zu erfreuen und zu beschäftigen. Und tatsächlich klappt das ganz wunderbar. Seit vier Monaten geht Willi nach der Schule immer sofort in den Garten und steckt ein Löwenzahnblatt nach dem anderen zu den Fellbeuteln hinein. Es ist das tollste Steckspiel der Welt. Man kann sich danebensetzen und einen Kaffee trinken und muss nur ab und zu frischen Löwenzahn pflücken.

Aber den Rücken kehren darf man Willi trotzdem nicht! Kaum bin ich außer Sichtweite, versucht Willi die Kaninchen aus dem Stall zu ziehen oder selbst hineinzuklettern. Und für diese Art Gebrauch sind die Tiere dann doch nicht gedacht. Deswegen gleichen bei uns Stall und Außengehege so einer Art «Kaninchen-Guantanamo Bay»! Übrigens bin ich nicht sicher, wer geschickter ist: Willi beim Hineinkommen oder die Fellbeutel beim Herauskommen. Auf jeden Fall habe ich, seit die Viecher bei uns sind, schon viel, sehr viel Zeit mit Einfangen verbracht …

Aber wiederum laaange nicht so viel wie Willi mit Füttern. Die Kaninchen amortisieren sich voll. Nur doof ist es, wenn sie satt sind. Willi hat beim Blätter-in-Karnickel-Stecken so viel Geduld, dass die armen Tiere in der Zeit, die er in der Schule ist, Diät machen müssen, sonst sind sie nicht hungrig genug. Übrigens haut Willi erst gegen den Käfig, wenn die Kaninchen nicht mehr fressen wollen. Sie mögen Willi trotzdem sehr; wann immer er auftaucht, hüpfen sie aufgeregt vorne am Gitter umher, denn sie wissen, dass ER der ganz große Futter­spender ist. Ich wette, wenn sie Trompeten hören, haben sie schon Speichelfluss!

Genau betrachtet beginnen die harten Zeiten für die Kaninchen immer nur dann, wenn Olivia und ihre Freundinnen mit ihnen spielen. Sie haben nicht länger als drei Minuten Spaß am Füttern vor dem Gitter, danach werden die armen Tiere in Puppenwägen gelegt, müssen im Zirkus auftreten und werden frisiert. Spätestens dann merke ich, dass es mit meinen Vorsatz, die Fellbeutel nicht zu sehr ins Herz zu schließen, nicht so gut geklappt hat, denn ich erlaube das den Mädchen nie lange – die armen Kaninchen! Aber ich könnte es vielleicht auch schon daran merken, dass ich beim Fernsehen jetzt oft statt in die Glotze lieber aus dem Fenster schaue, um unsere süßen Fellbeutelchen zu betrachten. Oder daran, dass ich ständig mit ihnen spreche? Egal, sie sind und bleiben Nutztiere – denn jemanden zum Reden zu haben ist ja auch von Nutzen.

Hierzu ein Schreiben an Dirte Müller von Herrn Ulrich Dittmann mit nachfolgendem Wortlaut:

Frau Birte Müller –  Ihr seltsames Gebrabbel, Ihr Beitrag “Gebrauchskaninchen” ist uns über das Internet vorab auch zur Kenntnis gelangt. Wir sind entsetzt. Zuerst dachten wir es sei eine gelungenen Satire. Denn bisher haben wir Ihre Beiträge immer mit großem Interesse gelesen.

Hier erwecken sie aber den Anschein, diese Gedankenergüsse in  Gefühlsvollnarkose, resp. einem Zustand  geistiger Umnachtung geschrieben zu haben. Ihr lebensverachtendes Geschwätz, Frau Birte Müller, in diesem Artikel ist schweißtreibend und einfach nur noch widerwärtig und ekelerregend, übelste geistige Umweltverschmutzung. Anstand, Ethik, Empathie ist etwas sehr Kostbares. Entsprechend geizig gehen Sie mit diesen Eigenschaften um.

Die „Dornenkrone der Schöpfung“ hat die Erde zu einem einzigen gigantischen Friedhof gemacht. Es starben und sterben viele wertvolle Tiere durch die Hand wertloser Menschen. Für die Tiere hat der Teufel keinen Klumpfuß und keine Hörner, sondern eine Menschenfratze.

Schämen Sie sich Birte Müller, schämen Sie sich ganz gewaltig – und entschuldigen Sie sich für diese Gottes Schöpfung verhöhnende Entgleisung, Kaninchen zu “Gebrauchs – und Nutztieren” zu  degradieren, die man je nach Gutdünken füttert, an den einknastenden Käfig klopft  – und an denen Sie und ihr behinderter Sohn sich nach Belieben “erfreuen”.
Nochmals: Übelst Ihr Verhalten

Mehr ist zu Ihrem wichtigtuerischen, dümmlichen, wirklich Gottes Mitgeschöpflichkeit verhöhnenden Geschwafel nicht zu sagen.
Wir werden es verstehen, Ihre widerwärtigen Gedankenergüsse über das “Kaninchen-Guantanamo Bay” auf dem Müller´schen Grundstück – nicht allein  im Internet – breitgestreut publik zu machen.

Interessant auch wie u.a. Prof. Werner Götz und die Alverde-Redaktion / A-Tempo- Redaktion (die die Guthaftigkeit schlichthin verkörpern, resp. verkörpern wollen)  zu Ihrem mit ungetrübter Naivität vorgebrachten Gedankenschrott reagieren.

Ulrich Dittmann / 03.09.2015

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3 Kommentare zu “Ein dumm-dämliches Geschwafel von Birte Müller über „Gebrauchskaninchen“

  1. Hier nun der weitere Fortgang in dieser Sache. Frau Birte Müller antwortete sehr verständnisvoll. Respekt! Denn es ist selten, dass jemand menschlich in der Lage ist, auch mal einen Fehler zuzugeben.

    Nachstehend das Antwortschreiben von Birte Müller vom Freitag, dem 04. September 2015:

    Entschuldigung für das „Gebrauchskaninchen“

    Sehr geehrter Ulrich Dittmann,
    vielen Dank für ihre offene Reaktion, wenn ich auch offen gesagt über die Beschimpfungen sehr betroffen bin. Bitte Entschuldigen Sie, dass ich mit diesem Text so falsch verstanden werden konnte! Eigentlich sollte es lustig sein und vor allem Selbstironisch. Dabei muss man sich ganz sicher keine Sorgen um unsere Kaninchen machen! Die Mädchen dürfen sie gar nicht mehr umher tragen, wie gesagt, habe ich da doch selber genug Mitleid mit den Tieren.
    Außer Willis Blasmusik (in auch für mich erträglicher Lautstärke) sind sie wirklich sehr artgerecht bei uns untergebracht. Sie haben einen großen Doppelstock Stall und 12 qm Auslauf mit Röhren und Böschung zum Flitzen und Springen, wo sie immer mindestens 16 Stunden frei laufen (und natürlich auch fressen!!!)

    Am Vormittag kommen sie dann in den Stall, damit sie Willi glücklich machen können, wenn er sie nach der Schule füttert. Ab dem späten Nachmittag springen sie wieder durchs hohe Gras. Wir lassen sie doch nicht wirklich hungern! Willi füttert die Tiere ausgiebig , geduldig und liebevoll. Sicher, die Kaninchen glauben wohl manchmal, dass sie im Erdbebengebiet leben, wenn Willi mal am Käfig ruckelt (der jetzt aber sehr fest verschraubt ist) aber sie zucken nicht mal mehr zusammen dabei! Wenn sie Willi sehen, sind sie immer vorne am Gitter und freuen sich auf frischen Löwenzahn!

    Ich denke ich habe mich nur geärgert, dass andere Leute meinem Willi pauschal kein Haustier „zugetraut“ haben, aufgrund seiner Behinderung. Letztendlich hat er aber viel mehr Empathie für die Tiere, als so manches normale Kind, eben weil er sie nicht als Spielzeug benutzt. Behinderte Menschen und Tiere haben oft sehr, sehr enge Verbindungen. Wir können ohne die Kaninchen schon nicht mehr in den Urlaub fahren.

    Willi braucht ihre Nähe, beruhigt sich in ihrer Gegenwart, ist konzentriert, fokussiert und zärtlich (was bei ihm alles selten ist). Sie sind tatsächlich so eine Art Therapiekaninchen, aber trotzdem nicht für uns seelenlose „Mittel zum Zweck“ , gerade im Gegenteil! Man darf meine Texte nicht 1:1 erst nehmen! Und sie müssten doch herausgelesen haben, wie sehr mir unsere Hoppler ans Herz gewachsen sind- Ich spreche wirklich viel mit ihnen! „Gebrauchskaninchen“ das sollte eine Witz sein. Es handelt sich doch um eine Kolumne, eine Satire, wo überspitze Darstellung ein Stilmittel ist.

    Aber letztendlich finde ich es gut, dass es Menschen gibt wie Sie, die bei dem Thema Tierschutz keinen Spaß verstehen. Es tut mir wirklich Leid, dass sie meinen Text nicht „lustig“ finden und das meine ich ganz ernst. Ich respektiere das und denke vor allem in Zukunft darüber nach, will ich doch niemanden anregen, Tiere als Gebrauchsgegenstände zu sehen. Sie sind Lebewesen mit allen Rechten! Ich versichere Ihnen, unsere Kaninchen haben es ganz sicher sehr gut bei uns! Und mit Blasmusik muss ich ja auch leben lernen.

    Liebe Grüße, Birte Müller, etwas schockiert aufgrund ihrer Reaktion

    Rückantwort von Herrn U. Dittmann an Dirte Müller am 04.09.2015:

    Sehr geehrte Frau Birte Müller,
    haben Sie vielen Dank für Ihre rasche aufklärende Antwort zu diesen Beitrag, der nicht nur bei mir Irritationen verursacht hat. Entschuldigung angenommen! Meine Kritik war vielleicht auch ein wenig überspitzt artikuliert. Aber Sie sind eine intelligente Frau – doch auch wir Leser sind auch nicht mit einem „Dummbeutel“ geschlagen. Da gibt´s nichts hineinzuinterpretieren – diese Kolumne von Ihnen war nicht als Satire zu erkennen, selbst wenn man berücksichtigt und weiß, welch (gute!) lustige „Schreibe“ Ihnen aus der Feder fließt.

    Und wenn man erst über eine Kolumne „Satire“ schreiben muss, ist es keine Satire. Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht. Dass von Ihnen und Willi die Tiere „richtig gequält“ werden, wurde auch nicht angenommen. Aber so wie es rüberkommt, ist es schlicht eine schnodderige, unsensible Art, wie hier Tiere als „Gebrauchsgegenstand“ tituliert und im Müller´schen „Kaninchen-Guantanamo Bay” eingeknastet sind.

    Problem ist, dass dieser Beitrag in der Welt ist und mancher Alverde/A-tempo-Leser sich bei seiner eigenen Kaninchen-Haltung an dem Beitrag von Birte Müller orientiert. Das ist der traurige Knackpunkt. Persönlich würde ich einfach in einer der nächsten dm-Magazine, mit kurzen Sätzen klarstellen, dass diese Kolumne wohl leider etwas missverstanden wurde. Sinnvoll, dann zudem in einem informativen Extra-Kurz-Beitrag, das Wesen eine guter Kaninchenhaltung zu beschreiben ( großer Stall und gr. Auslauf mit Röhren etc. ) So könnte aus einem Mißverständnis, letztlich gar noch ein engagierter Tierschutz-Beitrag für gute Kaninchenhaltung resultieren! Ihr Einverständnis vorausgesetzt, werde ich Ihr Schreiben an alle z. K. weiterleiten, die meine Erst Mail an Sie erhalten haben.

    In diesem Sinne – beste Grüße!
    Ulrich Dittmann

    Fazit: Es „lohnt“ sich manchmal Kritik zu üben, wenn der Empfänger intellektuell in der Lage ist diese richtig einzuschätzen – und die menschliche Größe besitzt, auch einmal einen Fehler einzugestehen. Diese Größe vermisse ich übrigens schmerzlich oft in der Tierschutzszene.
  2. Eigentlich hat es sich schon erledigt, weil Frau Müller inzwischen selbst geantwortet hat, ich schicke meinen vorher formulierten Senf, der durch Frau Müller´s Antwort teilweise bestätigt wird, trotzdem noch her:

    Zitat Ulrich Dittmann: „Zuerst dachten wir, es sei eine gelungenen Satire.“

    Anfangs wusste ich auch ich nicht recht, wie das Ganze gemeint oder zu verstehen ist. Aber wenn man liest, wie oder was Birte Müller sonst so schreibt, im gleichen Stil, beginnt man zu ahnen, dass das zwar keine Satire, aber wohl eine Art von ganz eigenem, etwas gewöhnungsbedürftigem Humor ist, der persönliche Schicksalsschläge und Belastungen überspielen oder erträglich machen soll, an denen andere Menschen vielleicht zerbrechen würden. Tierfeindlichkeit und Geringschätzung von Kaninchen steckt meines Erachtens nicht dahinter, ansonsten könnte man ihr nach dem gleichen Muster vorwerfen, behindertenfeindlich zu sein oder ihren eigenen Sohn gering zu achten, was mit Sicherheit nicht der Fall ist. Wenn man im folgenden zitiertem Abschnitt nur auf die Begriffe „Sondermodell“, „pünktliche Lieferung“, „Anschaffung“ oder „Josephinchen Mongolinchen“ seinen Blick richten möchte!
    Quelle: http://www.illuland.de/illuland/Willis_Welt.html

    Zitat B. Müller:
    „Sondermodell Willi
    Mir ist aufgefallen, dass Kinder oft als “Anschaffung” bezeichnet werden. Bei einer Anschaffung wechselt, gegen Bezahlung, ein Wirtschaftsgut den Eigentümer. Das trifft zum Glück nicht auf Kinder zu, auch nicht auf meinen Sohn Willi. Diesen hatte ich vor gut vier Jahren zwar nicht bestellt, dafür aber kostenfrei und pünktlich geliefert bekommen. Die Freude war groß- die Überraschung auch, denn Willi ist ein Sondermodell…

    Der ewige Kampf gegen Vorurteile
    Dem von mir illustrierten Buch “Josefinchen Mongolinchen” von Dolf Verroen wird Behindertenfeindlichkeit vorgeworfen. Dagegen erhebe ich vehement Einspruch!“

    Diese Art von Humor, die nicht so mein Ding ist, erschien oder erscheint bei manchem wohl schon ein wenig seltsam und gewöhnungsbedürftig. Das mag sein, ist aber mit Sicherheit nicht böse gemeint! Birthe Müllers vorletzter Satz zeigt beispielsweise deutlich, dass sie nicht nur ihren Sohn, auch wenn der noch so anstrengend sein mag, sondern auch die Kaninchen in ihr Herz geschlossen hat.

    Zitat:
    „Aber ich könnte es vielleicht auch schon daran merken, dass ich beim Fernsehen jetzt oft statt in die Glotze lieber aus dem Fenster schaue, um unsere süßen Fellbeutelchen zu betrachten.“

  3. Dass Ironie und Satire nicht auf Anhieb als solche verstanden werden müssen, liegt in der Natur von Ironie und Satire. Dass sie nicht auf Anhieb verstanden werden, muss aber nicht an fehlender Verständnisfähigkeit der Leser liegen, sondern kann auch aus der ungeschickten Formulierung des Schreibers resultieren, wie ich selbstkritisch mit Verweis auf das folgende Beispiel eines offenbar misslungenen Versuchs, ironisch zu formulieren, bemerke:
    https://wolodja51.wordpress.com/2015/08/09/eine-brilliante-lagebeschreibung-von-max-uthoff-zum-sozialstaatlichen-waterboarding-hartz-iv/comment-page-1/#comment-3139

    Ein Beispiel für Satire, findet man in der ersten der hier aufgeführten Tierschutz-Nachrichten, die auf eine bekannte Satire-Website verlinkt:
    https://wolodja51.wordpress.com/2015/08/19/tierschutz-nachrichten/

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