Slogan der Jäger und Bauern Thüringens: "Mit vereinter Kraft gegen Wildschweine"

Scan aus der Thüringer Landeszeitung vom 22.04.2015 :

Hierzu ein Leserbrief von Herrn Harald von Fehr an die Chefredakteurin der Thüringer Landeszeitung :

Sehr geehrte Frau Sommer,
aufgrund obiger Pressemeldungen bitte ich Sie nachfolgenden Leserbrief zu veröffentlichen. Leider muß ich die Wahrheit schreiben, um überhaupt etwas zu erreichen. Auch bestehe ich darauf, daß die Überschrift meines Leserbriefes nicht wieder verfälscht wird. Sie sollten nicht vergessen, daß ich mit der Nennung meines Namens auch Verantwortung für das von mir Geschriebene als Autor übernehme. Als Nachtrag, da Sie ja bis heute auf mein Schreiben vom 17. und 26.04.2015 nicht reagiert haben, möchte ich Ihnen noch mitteilen, daß es mich nun wirklich nicht mehr wundert, wenn Sie mich als unsachlich bezeichnen, sobald ich über Jäger schreibe und diese Lustmörder kritisiere.

Eine so jägerfreundliche Zeitung, wie die Ihre – Sie haben dies mit Ihrer Werbung für die Jagd am 9.5.2015 auf Seite 1 klar für Jedermann kundgetan – befindet natürlich kritische Kommentare zur Jagd als „unsachlich“. Deshalb wäre es doch aufrichtiger die „Thüringer Landeszeitung“ in „Thüringer Jägerzeitung“ umzubenennen, da würde jeder Leser wenigstens gleich Ihre Einstellung zur Jagd erkennen.

Wildschweinüberpopulationen und – schäden sind hausgemacht!
„Thüringens Jäger und Bauern wollen mit vereinten Kräften stärker gegen Wildschweine vorgehen.“ – so der Slogan, dem diese Leute jetzt verstärkt nachgehen wollen. Daß sie damit genau das Gegenteil erreichen, ist ihrem kurzsichtigen Denken zuzuschreiben. Die in unserem Land praktizierte Jagd ist in erster Linie eine Hobby – und Spaßjagd und 95 % der Jäger sind Spaß- und Freizeitjäger!

Was ist eine große Treibjagd mit teils über hundert Jägern ohne eine befriedigende „Jagdstrecke“ (in der Jägersprache die Zahl der erlegten Tiere)? Wie steht ein Jäger gegenüber seinen Jagdgästen da, wenn er seinem Jagdgast nicht eine beachtliche Auswahl von „Stücken“ (Jägersprache für Tiere) zum Erlegen darbieten kann? Die Jäger füttern die Wildschweine in Wald und Feld, um diese anzulocken und im Revier zu halten. Doch damit kommt ein fataler Mechanismus in Gang: Durch die Fütterungen setzt die natürliche Selektion in den Wildschweinrotten aus.

Normalerweise – eben ohne Fütterungen – bekommt eine Bache einmal jährlich ca. 4 – 5 Junge. Von diesen Frischlingen überleben in der Regel 2 – 3, Schwache und Kranke werden durch die Natur delektiert. Doch durch das Nahrungsangebot überleben oft auch die Schwachen und Kranken; die Bache wirft mehr als einmal im Jahr Junge. Die Population steigt! Und in einer Wildschweinrotte wird nur die Leitbache durch den Keiler gedeckt. Oft schießen Jäger eben die Leitbache ab und somit gerät das soziale Gefüge der Rotte durcheinander: der Keiler deckt nun alle Sauen – die Population steigt also nochmals dramatisch!

Durch diese Jagd – und Fütterungsmethoden steigt die Zahl der Wildschweine um das 5 bis 8-fache an! Die Überpopulation der Wildschweine ist ein durch Jäger und deren unsachgemäße Bejagung verursachtes Problem! Dieses Problem ist keinesfalls durch eine verstärkte und unsachgemäße Hobby – und Spaßjagd, die außer unsäglichem Tierleid absolut nichts bewirkt, in den Griff zu bekommen. Wildschweinpopulationen müssen sich von selbst in der ungestörten Natur normalisieren! Das gilt natürlich auch für sämtliche anderen Tierarten!

Im Namen der Tierschutz-Union und aller Menschen,
denen unsere Natur, die Tiere und auch ihre Mitmenschen noch etwas bedeuten.

Mit freundlichen Grüßen
Harald von Fehr
Gotha, den 11.05.2015

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0 Kommentare zu “Slogan der Jäger und Bauern Thüringens: "Mit vereinter Kraft gegen Wildschweine"

  1. Den Auslassungen von Harald von Fehr, Unabhängige Tierschutz-Union Deutschlands, ist vollinhaltlich beizupflichten:

    Wahrlich schlimm, welch üble Fehler der liebe Gott bei seiner Schöpfung gemacht hat und neben bösartigem, konkurrierenden (!) Raubzeug, wie Füchsen, streunenden Hunden und Katzen, Grünzeug äsendem Rehwild, gar auch wühlende Wildschweine und andere störende Tiere schuf. All dieses Versagen muss die „Dornen“-Krone der Schöpfung im grünen Rock, in Deutschland nun mühsam mit Fallen, Schießeisen und über 1500 Tonnen – die Natur verpestendem – Blei und Eisen jährlich ausbügeln.
    Pharisäerhaft beklagt man den hohen Wildschweinbestand – den die Jägerschaft letztlich selbst verursacht hat. Überladene Kirrplätze mästen die Tiere förmlich heran. „Das Wildschweinproblem ist hausgemacht“ gibt selbst Norbert Happ, Sauenexperte des Deutschen Jagdschutzverbandes zu. Bei Treib- und Drückjagden erlegen die selbsternannten Heger im grünen Rock meist trophäenwürdige Tiere, insbesondere führende Leitbachen. Dadurch wird eine selektive Fortpflanzung unterbrochen. Führerlos gewordene Rotten pflanzen sich stattdessen unkontrolliert vermehrend fort – zum Ärger der Landwirte und Freude der Jäger die ihre Unkenrufe bestätigt, so unbehelligt ihrem Jagdvergnügen frönen können.
    Die Buchautorin Karin Hutter artikulierte es ohne Schönfärberei schon in ihrem Buch „Ein Reh hat Augen wie ein sechzehnjähriges Mädchen“ trefflich auf den Punkt: „Der Jäger liebt die Natur wie der Vergewaltiger sein Opfer“.

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