PZ-Interview mit veganem Buchautor Bredack: „Der Mensch ist kein Fleischfresser“

Sein Leben drehte sich nur um die Arbeit. Dann erlitt der Manager Jan Bredack einen Burn-out. Heute ernährt sich der 43-Jährige vegan und ist Gründer der Supermarktkette Veganz. Nachfolgend ein interessantes Interview mit ihm, welches Anke Baumgärtel von http://www.pz-news.de mit Jan Bredack führte :

PZ: Herr Bredack, Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie lange nicht darüber nachgedacht hatten, dass das Fleisch auf Ihrem Teller mal ein Tier war. Waren Sie damals wirklich so naiv?

Jan Bredack: Ja, war ich. Viele Vegetarier und Veganer meinen, sie wüssten alles besser, vergessen dabei aber, dass sie selbst jahrelang Lebensmittel unbewusst konsumiert haben. Ich selbst dachte tatsächlich, die Kühe stehen auf der Weide, fressen Gras und dann kommt abends Milch raus. Viele wollen ihre Familie durchbringen und denken nicht darüber nach, wo ihre Lebensmittel herkommen. Das ist ein Aspekt, den man gerade in Deutschland nicht vernachlässigen darf.

PZ: Vegane Ernährung ist ja leider nicht günstig.

Jan Bredack: Vegane Produkte aus kleinen Manufakturen sind natürlich teurer, weil noch kein Massenmarkt da ist. Deshalb hat Ernährung leider auch mit Bildung und Einkommen zu tun. Es ist unvorstellbar, dass ein Kilo Schweinefleisch im Angebot 1,49 Euro kostet. Dagegen gibt es ein Kilo Biotomaten für 3,99 Euro. Da herrscht ein klares Missverhältnis.

PZ: Sie haben die Supermarktkette Veganz gegründet. Kann man denn mit Tofu und Soja Geld verdienen?

Jan Bredack: Wir führen weltweit die einzigen Supermärkte mit ausschließlich pflanzlichen Produkten. Klar haben unsere neun Supermärkte in den Ballungszentren viel Zulauf. Die Wenigsten wissen aber, dass wir auch Globus, Edeka oder Tengelmann beraten und beliefern. Das ist für uns ein Gradmesser, um festzustellen, dass vegane Produkte nicht nur in hippen Großstädten ankommen.

PZ: Frankfurter Würstchen sind bei Ihnen der Verkaufsschlager. Wieso brauchen Veganer eigentlich Fleischersatz?

Jan Bredack: Einerseits gibt es keinen Markenschutz für bestimmte Begrifflichkeiten bei tierischen Produkten. Man könnte ja sagen pflanzlicher Fleischklops. Andererseits sind es im Wesentlichen nicht Veganer und Vegetarier, die nach diesen Produkten fragen, sondern sogenannte Flexitarier. Leute, die das Ganze einfach mal ausprobieren wollen. Jeder hat ja so seine Gewohnheiten. Wenn Sie sich jetzt vorstellen, Sie dürften vom einen auf den anderen Tag nur noch Mohrrüben lutschen, würden Sie den Schritt nie gehen. Aber wenn Ihnen in Ihren Gewohnheiten Alternativen angeboten werden, die gut riechen, aussehen und schmecken, ist das eine gute Abwechslung. Wir sind soziale Wesen. Die Tatsache, dass ich mich pflanzlich ernähre, heißt ja nicht, dass ich mich bei einem Grillfest abseits stelle und anderen zuschaue, sondern ich lege dann halt meine Pflanzensteaks auf den Rost. Edeka hat jetzt Fleisch aus Pflanzen an der Frischetheke eingeführt. In fünf Jahren ist das Gewohnheit.

PZ: Sie sprechen von Ökologie. Warum ist der Veganer gut für die Umwelt?

Jan Bredack: Da gibt es viele Gründe. Zum einen werden die Ressourcen geschont. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch braucht es 15000 Liter Wasser, ein Kilo Kartoffeln kommt mit 250 Litern aus. Für ein Kilogramm Rindfleisch kann ich 1600 Kilometer mit dem Porsche fahren. Beides hat denselben CO2-Ausstoß. Sie müssen in ein Tier erst einmal sehr viel reinstecken, bis dann für wenige etwas rauskommt. Zum anderen stoßen wir langsam an Grenzen. 2050 werden neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Da reicht die vorhandene Fläche nicht mehr aus, um die Menschen zu ernähren, wenn sie weiter so leben wollen. Wir müssen das verfügbare Land direkter verwerten. Das geht nur über vegetarische und vegane Produkte. China und Indien holen ja gerade erst auf und versuchen, den Lebensstandard der westlichen Welt zu erreichen. Wenn die nur ansatzweise den gleichen Verbrauch an den Tag legen, sind wir am Ende.

PZ: Einer Ihrer Slogans ist „Yes Ve Gan“…

Jan Bredack: … der in Anlehnung an Barack Obamas Wahlkampf-Aussage „Yes We Can“ zum Ausdruck bringen soll, wie einfach das vegane Leben ist. Es gibt viele Vorurteile, die wir versuchen aufzulösen. Der Veganismus kam ursprünglich aus einer dunklen Nische. Veganer haben sich gegen die Gesellschaft aufgelehnt. Wir machen den Veganismus gesellschaftsfähig.

PZ: Sind die Mangelerscheinungen, die Veganer bekommen sollen, auch nur ein Vorurteil?

Jan Bredack: Ja. In der Gesellschaft hat sich festgesetzt, dass es sich hierbei um eine Mangelernährung handelt. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Fleisch wird genährt aus Pflanzen. Wir können das pflanzliche Eiweiß auch einfach direkt konsumieren ohne den Umweg über das Tier. Es gibt in der pflanzlichen Ernährung nichts, was fehlt. Der Mensch ist kein Fleischfresser. Wir sind Allesfresser, unser Körper tut sich mit Pflanzen allerdings viel leichter. Der Verzicht auf tierisches Eiweiß fördert die Gesundheit eher, als dass er ihr schadet.

Das Gespräch führte Anke Baumgärtel
Quelle: http://www.pz-news.de

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