Empfehlungssiegel des VEBU für Hühnereiweißwurst der Rügenwalder Mühle

Der VEBU unterstützt und berät die Rügenwalder Mühle bei ihrem derzeitigen Vorhaben, vegetarische Produkte am Markt zu etablieren, weil der VEBU jedes Engagement in Richtung vegetarische Ernährung grundsätzlich begrüßt.

Originalton des VEBU:

„Wir vergeben das Logo „Unterstützt vom VEBU“ nur, wenn wir den Mehrwert, der sich daraus für unsere Zielerreichung (Reduktion des Fleischkonsums in der Gesellschaft) ergibt, in der Verwendung des Logos erkennen. Der VEBU arbeitet mit einflussreichen Institutionen, Verbänden, Unternehmen u. ä. zusammen, um vegetarische oder vegane Fleischalternativen verfügbarer zu machen und damit den pro Kopf Fleischkonsums zu reduzieren. Hier geht es im Speziellen um die Verfügbarkeit von vegetarischen Produkten im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel. Für den bisher rein fleischverarbeitenden Betrieb ist die Produktion von vegetarischen Wurstalternativen ein erster Schritt in die vegetarische Richtung, den wir sehr begrüßen. Die Infrastruktur insgesamt (d. h. die Verfügbarkeit von entsprechenden Produkten) zu verbessern, ist ein Weg, den Fleischkonsum in der Gesellschaft effektiv reduzieren zu können.

Wir verstehen, wenn eine Zusammenarbeit des VEBU mit einem fleischverarbeitenden Unternehmen kritisch gesehen wird. Der VEBU wird das jedoch heute und in Zukunft tun, wenn hierdurch substantielle Fortschritte hinsichtlich einer Reduktion des Fleischkonsums und der Erhöhung der Bekanntheit und Akzeptanz von Fleischalternativen in der Gesellschaft zu erzielen sind. Die neuen Produkte der Rügenwalder Mühle werden nicht nur für Vegetarier eine Bereicherung sein, sondern auch Flexitariern und anderen Menschen in ihrem gewohnten Einkaufsumfeld abseits der veganen und vegetarischen Nischen zur Verfügung stehen. Wir sind überzeugt, so eine breite Masse für vegetarische und vegane Fleischalternativen gewinnen zu können. Das kurzfristige Ziel ist es, die Verfügbarkeit von vegetarischen Produkten im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel zu verbessern. Das langfristige Ziel ist es, den Fleischkonsum in der Gesellschaft zu reduzieren.“

Hierzu nachfolgender Kommentar von Dr. Ernst Walter Henrich:

„Grundsätzlich ist vegetarische Ernährung weder ethisch noch gesundheitlich ein Vorteil gegenüber omnivorer Ernährung. Eier und insbesondere Milchprodukte sind aus medizinischer Sicht mindestens so negativ zu beurteilen wie Fleisch. (Die Studien zu den gesundheitlichen Nachteilen von Eiern lesen Sie bitte hier: http://www.provegan.info/de/studien/kategorie/studien-eier/ , die Studien zu Milch bitte hier: http://www.provegan.info/de/studien/kategorie/studien-milch/ )

Das Leid der Kühe und der ihnen entrissenen Kälber ist hinlänglich bekannt, ebenso das Leid der Legehennen und der zermusten männlichen Küken (Der Vebu beschreibt dieses Leid selbst auf seiner Website). Alle diese Tiere werden, wenn aus ihnen keine Eier bzw. keine Milch mehr herauszuholen ist, ebenso ermordet. Worin liegt also der Vorteil einer vegetarischen Ernährung, wenn die betroffenen Tiere über mehr oder weniger lange Zeit ausgebeutet und gequält werden und dann auch ermordet werden, während die „Nutztiere“ für Fleisch über kürzere Zeit gequält und früher geschlachtet werden? Der der vegetarischen Ernährung zugeschrieben ethische Vorteil ist nichts als Heuchelei, um mit besserem Gewissen die Tierqualprodukte Ei und Milch konsumieren zu können.

Im Fall der Rügenwalder Mühle geht es nicht um vegane Produkte, sondern um Produkte mit einem Eigehalt von etwa 70 %. Was für einen Vorteil hat es, wenn Fleisch durch Eier ersetzt werden, also wenn ein Tierqualprodukt durch ein anderes Tierqualprodukt ersetzt wird? Den Tieren nutzt es nichts. Ganz im Gegenteil, es müssen wahrscheinlich sogar mehr Hühner ausgebeutet werden, um ein Schwein in den Würsten zu ersetzen.

Die Verfügbarkeit von vegetarischen und veganen Produkten ist sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch im Internet sehr gut. Ei-Würste zu propagieren bedeutet auch, den rein veganen Herstellern massiv Konkurrenz zu machen, die in der Regel über weniger Kapital und weniger Marketingpower verfügen als etablierte millionenschwere Fleischkonzerne. Zudem ist es aus gesundheitlicher Sicht verheerend, den Menschen verarbeitete Produkte mit hohem Tiereiweissgehalt, hohem Fettgehalt, zugesetztem Zucker und Salz zu empfehlen. Das ist alles andere als eine gesunde Ernährung. Als verantwortungsvolle Organisation trägt man auch eine Verantwortung gegenüber der Gesundheit der Menschen. Eine gesunde Ernährung ist rein pflanzlich mit möglichst frischen naturbelassenen Produkten und besteht möglichst nicht aus industriell verarbeiteten Produkten wie Wurst.

Wie oben schon erläutert, ist eine Reduktion des Fleischkonsums bei gleichzeitigen Austausch durch andere Tierqualprodukte absurd. Im Sinne der Tiere, des Klimas, der Bekämpfung des Welthungers und im Sinne der Gesundheit muss es um eine Reduktion bzw. um die Beendigung des Konsums von allen Tierprodukten gehen. Eine Reduktion des Fleischkonsums bei gleichzeitiger Stagnation oder gar Anstieg des Konsums anderer Tierqualprodukte ist nutzlos und die Propagierung dieser Strategie eine Verdummung des Verbrauchers. Der einzige Vorteil dieser Verdummungsstrategie liegt bei den Organisationen, die sich durch das Verkaufen ihrer Labels fragwürdige Einnahmen sichern. Aber an diesem Geld hängt das Blut der ausgebeuteten und ermordeten Tiere. Das sollte auch ein Vebu nicht vergessen!

„Vegane Produkte denkbar“? Sorry, aber das sind doch alles nichts weiter als bloße Lippenbekenntnisse, von denen die Tiere und die Menschen nichts haben. Warum sagt der Vebu nicht, dass er erst dann sein Label und seine Unterstützung bereitstellt, wenn vegane Produkte vorhanden sind und dafür keine Hühner mehr ausgebeutet und ermordet werden? Umso höher wäre doch der Anreiz für die Firma, schnellstens vegane Produkte ohne Hühnerei einzuführen! Will man beim Vebu nicht so lange auf das Geld verzichten? Ahnt der Vebu schon, dass eh keine veganen Produkte kommen?

Was bringt es den Tieren, wenn Fleisch durch Eier ersetzt werden von Hühnern, die anschließend auch umgebracht werden? Was bringt es aus ethischer Sicht, wenn am Ende für eine Wurst mehr Hühner ausgebeutet werden als vorher Schweine? Was bringt es als „ersten Schritt“, wenn eine Wurst praktisch aus Ei mit ein paar Gewürzen besteht? Den Verbraucher auf diesen Irrweg einer ethisch skrupellosen und gesundheitlich desaströsen Ernährung zu führen, ist ein falscher „erster Schritt“.

Der Vebu will sich „dafür einsetzen“, dass die Firma „langfristig auch vegane Produkte am Markt etablieren wird“. „Langfristig“ bedeutet aber „viele Jahre“. Bis dahin sind viele Tiere ausgebeutet und umgebracht worden. Für mich ist es pure Heuchelei, wenn der Vebu behauptet, es sei ein „wunderbarer Fortschritt“, wenn jetzt „Veggie-Wurst“ mit 67 bis 71 % Ei angeboten wird. Der „Weg der vielen Schritte“ ist nichts weiter als eine Verwässerung des ethisch, tierrechtlich, ökologisch und gesundheitlich notwendigen veganen Gedankens und die Zementierung des Tierproduktekonsums. Mit dieser Strategie sorgt man dafür, dass die Menschen mit umso besserem Gewissen Tierqualprodukte verspeisen, da sie ja von einer Vegetarierorganisation empfohlen wurden.

Das perfide Verhalten des Vebu besteht vor allem darin, dass er das Leid, welches durch die Eiproduktion auch bei Freilandhaltung entsteht, genau kennt und trotzdem für diese Qualprodukte wirbt. Auf seiner Website beschreibt der Vebu selbst das Leid der Hühner für die Eiproduktion sogar sehr treffend:

Zitat Vebu: „Allen Haltungsformen sind folgende Hauptprobleme gemein: Die Hühner leiden unter der ihnen angezüchteten unnatürlichen Legeleistung. Alle Legehennen werden nach einer Legeperiode im Alter von knapp eineinhalb Jahren geschlachtet. Ihre Brüder werden direkt nach dem Schlüpfen getötet. Der beste Weg, das Leiden der Legehennen zu verhindern, ist, keine Eier und Produkte, die Ei-Bestandteile enthalten, zu konsumieren. Die gute Nachricht ist, dass man weder zum Kochen noch zum Backen Eier braucht.“

Weiter heißt es auf der Website des Vebu:
„Zusätzlich werden sämtliche männlichen Küken in den Brütereien vergast, weil sie keine Eier legen. Auf jede der über 40 Millionen deutschen Legehennen kommt also ein vergastes Hahnenbaby. Bis zu 300 Eier legt ein deutsches Huhn im Jahr. Wenn es überhaupt solange überlebt, ist es vollkommen ausgemergelt, bis es brutal gepackt, in eine Kiste gestopft, in den Schlachthof abtransportiert und – oft bei vollem Bewusstsein – als Suppenhuhn geschlachtet wird.“

Sorry liebe Vebu-Leute, aber haltet Ihr es für moralisch in Ordnung, gerade dann, wenn Ihr dieses Wissen um das ganze Leid der Tiere habt, Werbung für die Würste eines Fleischkonzern zu machen, die voller Ei sind, und dann noch die Dreistigkeit zu besitzen, die Untaten gegen die Tiere als gute Taten anzupreisen? Aber was soll man auch von einer Organisation wie dem Vebu erwarten, die auf ihrer Website von Tim Mälzer als Werbeträger verkünden lässt: „Wenn man ab und zu auf Fleisch verzichtet, schmeckt das nächste Steak doppelt so gut!“

Und Prof. Dr. Klaus Hamper schrieb an den Vorsitzenden des Vegetarierbundes Deutschland e. V. :

„Sehr geehrter Herr Schönberger,
über den aktuellen Neuigkeitenbrief der „Provegan-Stiftung“ von Dr. Ernst Walter Henrich erfuhr ich, dass Ihr Verein ein Wurstersatzprodukt der Firma „Rügenwalder Mühle“ mit einem Empfehlungssiegel geadelt hat, welches zu 70% aus Hühnerei besteht. Ich kann und muss mich der Argumentation von Herrn Dr. Henrich Wort für Wort anschließen. Einem Produkt, in dem lediglich eine Tierqualkomponente (Fleisch) durch eine andere (Hühnerei) ersetzt wurde, ein Empfehlungssiegel zu verleihen, ist schizophren und eine Verhöhnung des unsäglichen Leids der Legehennen und ihrer am Tag des Schlüpfens millionenfach geschredderten und vergasten Bruderküken.

Da ich nach der von Herrn Dr. Henrich öffentlich gemachten (und von Ihnen definitiv nicht zu Ende gedachten) Stellungnahme Ihres Vereins nicht davon ausgehen kann, dass Sie dieses Empfehlungssiegel zurückziehen werden, sehe ich mich gezwungen, meine Fördermitgliedschaft beim VeBu umgehend (nach Ihrer Satzung frühestens möglich zum Ende des Folgemonats, also Ende Mai 2015) zu beenden. Den bereits abgebuchten Jahresförderbeitrag wollen Sie bitte anteilig auf mein Ihnen bekanntes Konto zurück überweisen. Ich denke, dass dieser Förderbeitrag in Zukunft sinnvoller in der Provegan-Stiftung von Herrn Dr. Henrich angelegt ist.
Ich wäre Ihnen dankbar, könnten Sie die Stellungnahme von Herrn Dr. Henrich allen Ihren Mitgliedern – z. B. im Rahmen Ihres Neuigkeitenbriefs – zugänglich machen.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Klaus Hamper

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0 Kommentare zu “Empfehlungssiegel des VEBU für Hühnereiweißwurst der Rügenwalder Mühle

  1. Ein sehr guter Beitrag, vor allen Dingen das Schreiben des Herrn Schönberger.
    Hätte ich den VEBU nicht schon im vergangen Jahr verlassen, würde ich Herrn Schönberger jetzt nachfolgen. Sich mit einem solchen Konzern wie Rügenwalder zu verbünden ist ein Hohn für alle gequälten Tiere. Seit Herr Pilava Werbung für Rügenwalder macht, schaue ich mir keine Show mehr mit ihm an. Die Mitglieder des VEBU sind meines Wissens nach überwiegend Vegetarier. Diese Menschen verteidigen eisern ihren Lebensstil, wider besseres Wissen oder aus Bequemlichkeit. Solche Erfahrungen habe ich leider schon des Öfteren machen müssen. Um diese Mitglieder nicht zu verpellen, bleibt der VEBU seiner Linie treu. Die Vegetarier würden sich sonst beim VEBU nicht mehr gut aufgehoben fühlen und evtl. den Verein verlassen. Dies darf nicht passieren.

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