Papa, Mutti und Propheten

Gepostet von Herrn Prof. Klaus Kamper :

Der aktuelle Stellvertreter Gottes auf Erden (ital.: „Papa“) hat vor kurzem also gesprochen: Siehe: „Verzicht auf Kinder? Egoistisch!“ auf www.welt.de Der deutsche Bundeskanzler („Mutti“) hat dieser Tage vom „Papa“ wieder mal eine Privataudienz gewährt bekommen und aus Dankbarkeit nach dem Ratzingerpapst (2011) nun auch noch dessen Nachfolger (der es ja Klasse findet, wenn man die von ihm eingeforderten Kinder schlägt – „aber mit Würde und nicht ins Gesicht“, (siehe HIER) nach Deutschland eingeladen.

Die Seelenverwandtschaft der beiden äußert sich ja frappierend auch in der Physiognomie (Beweis: „Angela Merkel hat den Papst nach Deutschland eingeladen“) und so war es den beiden ein Leichtes, in nur fünfzig Minuten die große Weltpolitik erschöpfend zu besprechen. Man fragt sich allerdings, was dabei außer Höflichkeitsfloskeln und allfälligen Oberflächlichkeiten herausgekommen sein soll.

Kinder haben diese „Egoisten“ übrigens beide nicht, obwohl sie doch „Papa“ und „Mutti“ sind. Nach der Audienz fuhr der „Papa“ dann schön bescheiden mit seinem gebrauchten Mittelklassewagen davon, die „Mutti“ hingegen kehrte zu Ihrem imperialen Reisetross zurück (http://www.stern.de/panorama/angela-merkel-wie-die-kanzlerin-beim-papst-keine-pizza-ass-2175248.html, Zitat: „Szene des Tages? Nach der Privataudienz fuhr Papst Franziskus in seinem blauen gebrauchten Ford Focus davon, während Merkel vor ihrer Autokolonne mit acht Mercedes wartete. Der Papst hat den besseren PR-Berater. Dieser weiß, wie man Bescheidenheit gekonnt in Szene setzt.“)

War sonst noch was? Ach ja, „Mutti“ nutzte den teuren Besuch zu einem Kaffeeklatsch bei Ihrer Busenfreundin, einer Abiturientin namens Annette Schavan, die unter Missachtung aller Regeln des Diplomatischen Dienstes (geht ohne akademischen Abschluss eigentlich gar nicht) bis zur endgültigen Pensionierung als Botschafterin beim „Heiligen Stuhl“ von „Mutti“ in Dankbarkeit zwischengelagert wurde (Siehe „Schawan bekommt Botschafterposten im Vatikan“, Zitat: „Der Posten in Rom gehört zu den bestdotierten Stellen in der deutschen Diplomatie. Bezahlt wird nach Besoldungsgruppe B9, was aktuell einem Grundgehalt von 10.228,76 Euro entspricht – vergleichbar mit dem Gehalt, das Deutschlands Botschafter in Washington oder Moskau bekommen.“) Die gute Katholikin Schavan hat ja auch schon Erfahrungen mit teuren Privataudienzen auf Steuerzahlers Kosten, damals beim „Papa“ Ratzinger (Siehe : Teurer Besuch: Schavan flog mit Flugbereitschaft zum Papst“), das qualifiziert für solch einen anspruchsvollen Posten.

Wenn man sich diese ganze Realsatire auf der Zunge zergehen lässt, freut man sich umso mehr, dass es scharfsinnige Menschen wie Dr. Bleibohm gibt, die sich vernünftige Gedanken über die tieferen Zusammenhänge im Glaubensgeschäft machen :

„Propheten“ – von Dr. Gunter Bleibohm

Die Welt ist voller Propheten. Vor allem der Kosmos der monotheistischen Religionen. Zählt man alle Propheten der Juden, Christen und Muslime zusammen, erreicht man gut und gerne eine hohe zweistellige Zahl.

Allen Propheten der Monotono-Religionen ist darüber hinaus gemeinsam, dass ihr Ableben weit mehr als tausend Jahre, ja meist mehr als zweitausend Jahre zurückliegt und eine weitere Besonderheit ist das historische Faktum, dass völlig unklar und unbewiesen ist, wer sie waren und ob sie überhaupt jemals gelebt haben. Aber diese kleinen Nebensächlichkeiten sollen uns nicht weiter anfechten, der wahrhaft Gläubige lässt sich schließlich auch nicht beirren. Denn wo käme er hin, wenn er die Basis seines Glaubens rational, mit wissenschaftlicher Akribie, prüfen würde? Die Hölle wäre ihm gewiss. Zu Lebzeiten die Hölle der intellektuellen Unbedarftheit, im Jenseits die jeweilige Hades-Vorstellung seiner geglaubten Religionssparte.

Nun ist das Kennzeichen eines Propheten, sein Hauptberuf also – manche waren ja im Nebenberuf zusätzlich Fremdenführer, Zimmermann oder Kameltreiber – die Verkündigung von Botschaften, die ihnen ein Gott zukommen lässt. Hier muss bereits ein kleiner logischer Einwand angebracht werden. Da sich ihre Botschaften in Inhalt und Auftrag teilweise gravierend unterscheiden oder gar diametral entgegengesetzt lauten, weiß der Chef im Jenseits offensichtlich  nicht so richtig was er will oder ändert ständig seine Meinung. Es könnte allerdings auch sein, dass von dort mehrere Gotteschefs ihre Weisheiten unkoordiniert an die Menschen übermitteln. Dies wiederum wäre ein Zeichen für eine desolate Organisationsform, eher einem Staatsbetrieb angemessen als einer göttlichen Institution.

Wie erreicht nun die heilige Botschaft den armen Erdenwurm, der die ehrenvolle Aufgabe hat, den Text für die staunende Menschheit aufzubereiten oder mit dem Fachausdruck gesprochen: „die Offenbarung zu verkünden“? Kleiner Einschub an dieser Stelle: Für die denkende Minderheit der lauschenden Menschheit sind die Offenbarungen meist alles andere als eine intellektuelle Offenbarung, eher gleichen sie einer Vergewaltigung der Vernunft. Und welches die göttlichen Auswahlkriterien sind, genau diesen halbverdursteten Ziegenhirten und nicht jenen vom anderen Hügel zu nehmen, bleibt ebenfalls göttliches Geheimnis wie die Tatsache, warum Frauen als Propheten durch die Bank untauglich sind.

Aber auch das kümmert den Gläubigen herzlich wenig. Machen wir es kurz. Der Prophet erhält seinen Verkündigungsauftrag  per Intuition oder Vision, in seltenen Fällen auch durch himmlisches Geflügel, also durch fliegende Engelsboten. Nun kann man in jedem Lexikon nachlesen, dass Intuition als die Einsicht in einen Sachverhalt ohne Gebrauch des Verstandes definiert wird. Dies kann wiederum zwei Ursachen haben. Entweder hat der Verkünder keinen Verstand – was alle Gläubigen aber vehement bestreiten – oder es ist ein Mensch, der seinem Bauchgefühl mehr vertraut als seiner Vernunft. Halten wir ihm für diesen Fall zu gute, dass er sich offensichtlich selbst halbwegs kennt.

Ähnliches Bild bei der Vision. Die Vision bezeichnet übrigens der Psychiater als Halluzination; aber dazu später mehr.

Die Vision – so klärt uns Wikipedia auf – ist das bildhafte Erleben von etwas sinnlich nicht Wahrnehmbaren, das dem Visionär als real erscheint und auf das Einwirken einer jenseitigen Macht zurückzuführen ist. Große Worte.

Ersparen wir uns die Frage nach der jenseitigen Macht, deren Nachweis bisher noch keinem Menschen gelungen ist und empfinden auch keine Genugtuung, dass alle Gottesbeweise bisher kläglich gescheitert sind. Bedenklich und nachdenklich sollte uns aber die Tatsache stimmen, dass unser Verkünder etwas sieht und auch manchmal hört – dann nennt es der Fachjargon „Audition“ – ,das real überhaupt nicht existiert. Nun kennt jeder solche Geschichten aus seiner Stadt und aus Erzählungen und hat schon gehört, dass so etwas vorkommen kann.
Aber er weiß auch, dass diese Menschen heute durch die moderne Medizin meist in geschlossenen Anstalten intensiv therapiert werden.

Kommen wir deshalb wie angekündigt auf die Halluzination zurück und machen uns als Nicht-Mediziner nochmal bei Wikipedia sachkundig. Und dort lesen wir zu unserem großen Schrecken, dass die Ursache von Halluzinationen tiefe psychische Störungen sind, die beispielsweise als Delirium tremens bei Alkoholentzug auftreten oder durch andere krankhafte Veränderungen des Gehirns bedingt sind. Halluzinogene, also chemische Verbindungen wie Psychedelika oder ein Wegfall/ Ausfall der Reizgrundlage werden als weitere Ursachen gelistet. Akustische Halluzinationen, das häufigste Empfangssignal der Propheten, treten häufig in Verbindung mit Schizophrenie auf. Ein Zusammenhang, auf den man als Laie spontan tippt, liest man zum ersten Mal manche Texte oder hört heutige Interpretationen.

„Hm, bedenklich, keine erfreuliche Erkenntnis und schlechteste Prognose für eine fundamentale Wahrheit“ würde der vernunftgesteuerte Analytiker sagen. „ Nein, ganz im Gegenteil, die Wege des Herrn sind wunderbar, denn Kinder und Narren sagen die Wahrheit“ antwortet der Glaubensbruder.

Und an dieser Stelle wird es dann Zeit für uns, den Rückzug anzutreten und unser Seelenheil bei dem alten lateinischen Spruch des Erasmus Zuflucht suchen lassen „Asinus asino pulcherrimus – der Esel findet den Esel am schönsten“.

Nur schade, dass die einstmals hoffnungsvoll begonnene Entwicklung der Menschheit in der Neuzeit so kläglich enden muss –  in der Umdeutung des Irrsinns in Wahrheit.

16.2. 2015   Gunter Bleibohm

Und hier noch eine Antwort von Herrn Prof. Klaus Hamper an eine religiöse Tierrechtlerin, die seine oben zitierten Aussagen sowie auch Herrn Dr. Bleibohms kritische Analyse über vermeintliche „Propheten“  kritisieren zu müssen meinte :

„Liebe Frau …………
wir haben mal wieder alle Recht. Sie gucken von innerhalb des Systems und da stimmt das natürlich, was Sie sagen. Wir gucken von außerhalb des Systems und sehen, dass es keinen auch nur noch so geringen Anhaltspunkt gibt, dass der Religionszirkus mehr ist als menschengemachter Selbstbetrug, der nur dazu dient, der universalen (nicht individuellen!) Sinnlosigkeit der Existenz speziell für den einfachen Menschen einen Sinn hinzuzudichten, der nicht überprüfbar ist, der ein gutes Gefühl vermittelt, der leidens- und ertragensfähig und die Schäfchen somit leichter ausbeut- und steuerbar macht. Und die dicken Pfaffen und sonstigen Würdenträger lachen sich ins Fäustchen, weil niemand sonst auf so leistungslose Weise so prächtig leben kann (Lesen Sie mal hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kirche-erzbistum-koeln-legt-vermoegen-offen-a-1018989.html; und vor allem hier: „Finanzen des Bistums Köln“).

Ich sage Ihnen aus eigener langjähriger Erfahrung: Wenn man sich auch nur im geringen Maße einer intellektuellen Redlichkeit verpflichtet fühlt, dann braucht es diese ganzen von Ihnen aufgezählten – zugegebenernmaßen sehr schönen – Auslegungshilfen nicht. Leben und Sterben kann man auch prima ohne diesen ganzen überfrachteten und etwas gezwungen erklärt wirkenden Gotteskram.

Aber das ist ja das Schöne an der heutigen Zeit, dass wir – der antiklerikalen Aufklärung sei Dank! – verschiedener Meinung sein können. In fast allen theokratischen Systemen wurde und wird Häresie mit dem Tode bestraft. Ein besseres Argument für die eigene Positionierung gibt es meines Erachtens nicht.

Herzliche Grüße
Klaus Hamper

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