Fragwürdige Tischgebete

Schopenhauer kritisiert mit unverfrorener Härte und Schärfe die „Nullität“ des Tieres im Juden – und auch Christentum, prangert die „himmelschreiende Ruchlosigkeit“ an, mit welcher das Christentum gegen die Tiere verfährt, sie völlig zwecklos und lachend tötet, verstümmelt oder martert.


Romain Rolland nennt die Rohheit gegen Tiere und die Ungerührtheit betreffs ihrer Qualen „eine der schwersten Sünden des Menschengeschlechts“. In dieser Rohheit und Ungerührtheit sieht der franz.Schriftsteller die Grundlage für alle menschliche Verdorbenheit und  sagt:


„Ich habe niemals an diese Millionen von still und geduldig ertragenen Leiden denken können,
ohne von ihnen bedrückt zu werden. Wenn der Mensch so viel Leiden schafft,
welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn er selbst leidet?“

Und Emile Zola sagte einmal:
„Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten,
wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?“


Ob das wohl auch den fleischessenden Christen bewusst ist, dass sie „lebende Gräber“ grausamst ermordeter Tiere sind, sobald sie angesichts einer Fleischmahlzeit die Hände falten und ihrem Gott für das Fleisch auf ihrem Teller danken?
Angesichts der alltäglich gequälten, misshandelten, ausgebeuteten und schliesslich gedankenlos und wie selbstverständlich verspeisten Tiere finde ich die nachfolgenden Beispiele von Tischgebeten doch sehr zynisch, grotesk und hirnlos:

Lieber Gott,  wir danken dir für alle Speise, die du uns gibst,
Bitte segne alle Tiere, die uns dank deiner Fürsorge ernähren und am Leben erhalten.
Wir danken dir für alles, was uns am Leben erhält, für die Lust, mit der wir essen und trinken.
Wir danken dir für dieses Mahl, für den Bund, den du mit uns geschlossen hast,
für die Gewissheit, dass du mit uns am Tische sitzt.
Amen.

Vater aller Gaben, alles, was wir haben, alle Frucht im weiten Land, ist Geschöpf in deiner Hand.
Hilf, das nicht der Mund verzehret, was uns deine Hand bescheret, ohne daß das Herz dich ehret.

Amen.

Gütiger Gott! Du lädst uns ein und bringst Segen uns herein, weil wir dürfen bei Dir sein.
Für Deine Gegenwart an diesem Abend, für alle Nahrung, die so labend,
für Speis und Trank hab vielen Dank.
Amen.

Guter Gott, bevor ich esse und trinke, will ich Mensch sein und innehalten.
Ich will verstehen, was ich tue, will sehen, was ich esse und bitte Dich:
lass mich stets erkennen, wem ich es zu verdanken habe.

Öffne mich für dieses Mahl, für die Gaben auf dem Tisch, für die Erde, die uns nährt.
Gib mir Augen und Ohren für alle, die mit mir am Tisch sitzen.
Segne alle, denen ich dieses Mahl verdanke, den Bauern, den Müller und den Bäcker,
den Lastwagenfahrer, die Verkäuferin, segne alle, die kochen und den Tisch decken.
Erfülle alles, was wir essen, mit deinem Leben. Lass uns dich erkennen, du guter Gott.
Amen.

Speise uns, Vater, speise deine Kinder und tröste die betrübten Sünder;
sprich den Segen zu den Gaben, die wir so reichlich vor uns haben,
dass sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben,
bis wir endlich mit den Frommen zu der Himmelsmahlzeit kommen!
Amen.

Gott, Du Quelle des Lebens, lass uns das Leben trinken
und verbunden sein mit allen, die Hunger und Durst haben.
Mach uns lebendig an Leib, Seele und Geist.
Mach uns zu einem Kanal, in dem das Leben fließt, zu einer Schale, aus der man schöpfen kann,
zu einem Glas, das man sich reicht von Mund zu Mund.
Segne die Gaben, die vor uns stehen und die wir aus deiner Güte empfangen dürfen.
Amen.

Du gibst uns, Herr, durch Speis und Trank Gesundheit, Kraft und Leben.
So nehmen wir mit Lob und Dank, das, was du jetzt gegeben.
Amen.

Aller Augen warten auf dich, Herr, du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit,
du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was da lebt, mit Wohlgefallen.
Psalm 145,16

O Gott, von dem wir alles haben, wir preisen dich für deine Gaben.
Du speisest uns, weil du uns liebst; nun segne auch, was du uns gibst.
Amen.

wirlygig1

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4 Kommentare zu “Fragwürdige Tischgebete

  1. Lieber Wolodja,
    Du hast es ganz genau erfasst – in der Bibel reden tatsaechlich mehrere Goetter! Aber es wuerde zu weit fuehren, mich hier darueber auszulassen! Die Mehrzahl der Leute sind ohnehin entweder nicht am Thema interessiert oder eben ’sture „Christen“‚! Ich moechte mich nicht unnoetig bemuehen! Falls es Dich persoenlich interessiert, kannst Du mir ja mailen und dann kann ich ausfuehrlicher werden, die Hauptsache ist, dass Dir das Zitat von Jesaja gefallen hat!
    Liebe Gruesse
    Claudia

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  2. Hallo Claudia,
    Dein zitierter Text aus Jesaja 66,3 ist mir nicht unbekannt und er ist ohne Zweifel Balsam für alle Tierfreunde. Aber gerade solche Texte und biblischen Aussagen sind doch ein Beleg dafür, dass diese „Heilige Schrift“ voller Widersprüche ist und daher wohl kaum Gottes Wort an uns Menschen sein kann.
    Einmal behauptet die Bibel das und dann wieder das völlige Gegenteil. Also frage ich mich: Ändert dieser biblische Gott ständig seine Meinung und weiß dieser Gott überhaupt, was er denn nun eigentlich will? Oder reden in der Bibel möglicherweise zwei oder sogar mehrere Götter?
    Es klingt sehr gut in meinen Ohren, was Jesaja hier sagt und unsere Erde wäre für alle Tiere ein Paradies, wenn sich die Christenheit dieses Jesaja-Wort jemals zu Herzen genommen hätte und dementsprechend propagieren und agieren würde. Aber leider ist das nie der Fall gewesen und selbst im 21. Jahrhundert lehrt die Kirche immer noch , was wir im Kommentar von Hubert unmißverständlich klar und deutlich nachlesen können:

    Hubert schreibt:
    Unmissverständlich erklärt der aktuell gültige Weltkatechismus der Katholischen Kirche, federführend herausgegeben im Jahre 1993 durch den seinerzeitigen Kurienkardinal Joseph Ratzinger und jetzigen Papst Benedikt:
    „Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat.“ Somit dürfe der Mensch sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidung bedienen, er dürfe sie abrichten,um sie sich dienstbar zu machen; medizinische und wissenschaftliche Tierversuche seien sittlich zulässig, sei doch mit Thomas von Aquin das Gewaltverhältnis zwischen Mensch und Tier grundsätzlich unaufhebbar.

    Kurzum: Was ändern einige biblische Texte und Aussagen, in denen Tiere den ihnen zustehenden Respekt und die ihnen zustehende Würde erfahren, letztlich an der Tatsache, dass Kirche und Christenheit sich vieler Verbrechen gegenüber unseren Mitgeschöpfen schuldig gemacht haben?
    Jesaja 66,3 in allen Ehren, jedoch dieses Bibelwort ändert nichts, absolut nichts an der Blutschuld der Christenheit.
    Liebe Grüsse – Wolodja

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  3. Hallo Wolfgang,
    Schopenhauer war einer der wenigen Philsophen, der fähig war mit der Kreatur mitzuleiden und das auch oft niederschrieb. Es ist in der Tat ruchlos wie Christen mit Tieren umgehen. Ihr vom Christentum bei tausend anderer Gelegenheiten eingeredetes schlechtes Gewissen schalten sie aus, wenn es um Tiere geht. Ausdrücklich festgeschrieben wurde das biblische Diktum des 1. Buches Mose, in dem Gott selbst seinen Ebenbildern befiehlt, zu „herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und alle Tiere des Felds … und machet sie euch untertan und herrschet … Furcht und Schrecken vor euch über alle Tiere … in eure Hände seien sie gegeben“.

    Es gilt dieses Verdikt unverändert bis heute und besetzt das kollektive Bewusstsein wie kein zweites: Unmissverständlich erklärt der aktuell gültige Weltkatechismus der Katholischen Kirche, federführend herausgegeben im Jahre 1993 durch den seinerzeitigen Kurienkardinal Joseph Ratzinger und jetzigen Papst Benedikt:
    „Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat.“ Somit dürfe der Mensch sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidung bedienen, er dürfe sie abrichten, um sie sich dienstbar zu machen; medizinische und wissenschaftliche Tierversuche seien „sittlich zulässig“, sei doch – mit Thomas von Aquin – das „Gewaltverhältnis zwischen Mensch und Tier grundsätzlich unaufhebbar“.
    Es gibt bezeichnenderweise in der gesamten Bibel keinen einzigen Satz, in dem Tieren Schutz vor der Rohheit und Gier des Menschen zugesprochen würde.“

    http://www.miz-online.de/node/266

    Das mit dem Furcht und Schrecken verbreiten unter den Tieren, heute sagt man auch Terrorismus dazu, ist ihnen ja in erschreckender Weise gelungen.

    Der franz. Schriftsteller hat Recht, wenn er in dieser Rohheit und Ungerührtheit die Grundlage für menschliche Verdorbenheit sieht. Ebenso Recht hat er, wenn er sagt: …“Wenn der Mensch so viel Leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn er selbst leidet?“

    Widerlich bei den Tischgebeten auch das unterwürfige Danken und der primitive Stellenwert, dem Christen dem Essen beimessen. Hier erlauben sie sich sogar mal die Lust. Ich habe da als Bild vor mir vollgefressene Pfaffen oder Mönche mit überbordenden dicken Bäuchen. Ich erinnere mich an ein Totenmahl eines engen Verwandten, bei dem es Suppe gab. Dem Pfarrer reichte das natürlich nicht, er ließ sich ein großes Schnitzel servieren. Wahrscheinlich lassen sich Geistliche fleischliche Genüsse für andere Genüsse zukommen, die sie nicht haben dürf(t)en, sozusagen für entgangene Freuden auf anderem Gebiet. Dass Essen und Trinken eine großen Stellenwert hat, sieht man ja auch daran, dass Kleriker und Mönche in der Braukunst sich hervorgetan haben, Weingüter, Teiche mit Fischen besitzen und was weiß ich welchen Köstlichkeiten sie noch frönen. Der Tatbestand der Völlerei wäre gar manches mal gegeben. Nicht umsonst heißt es in einem christlichen Sprichwort, Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält. Viele solcher primitiver Aussagen kann man ja zur Genüge in den „heiligen Schriften“ lesen. Außerdem verhalten sich katholische Christen bei der Kommunion als Kannibalen, nehmen sie da ja Jesus Christus zu sich. In diesem Sinne liebe Christen: …“dass ihr endlich mit den Frommen zu der Himmelsmahlzeit kommt!“ Wie schneller desto besser.

    LG – Hubert

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  4. Wer einen Ochsen toetet gleicht dem, der einen Menschen erschlaegt;
    wer einem Hund den Nacken bricht gleicht dem, der ein Lamm opfert;
    wer Schweineblut vergiesst gleicht dem, der ein Rauchopfer darbringt!
    All diese gefallen sich in ihren eigenen Gemeinheiten!
    Ich habe gerufen und sie haben nicht geantwortet, ich habe gesprochen und sie haben nicht gehoert!
    So will auch ich meine Lust an ihrem Unglueck haben – und ich lasse ueber sie kommen, wovor ihnen graut!
    Jesaja (abgekuerzter Text, Altes Testament)

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